Manchmal redet man sich ein, man geht ânur schauenâ.
Und manchmal weiĂ man ganz genau, dass das gelogen ist.
Heute war letzteres der Fall.
Ich bin zu Zweirad Neubauer gegangen, weil ich ein neues Rennrad wollte. Punkt. Kein innerer Kampf, kein âbrauch ich das wirklich?â. Ich wusste es lĂ€ngst. Auch wenn zuhause mein Gravelbike steht â liebevoll âScottyâ genannt â und eigentlich alles kann, was ich brauche.
Aber eben nur eigentlich.
Und dann stand es da
Alleine auf der Treppe.
Wie extra fĂŒr mich hingestellt.
Ein Bianchi Sprint. Celeste. NatĂŒrlich Celeste.
Ich geh nÀher hin und in dem Moment ist klar: Das passt.
Die GröĂe wirkt wie fĂŒr mich gemacht, der Sattel ist auf einer Höhe, die sich sofort richtig anfĂŒhlt. Ich hab es noch nicht einmal richtig berĂŒhrt und hatte schon dieses GefĂŒhl, dass wir zwei uns verstehen werden.
Es war wirklich knapp an Liebe auf den ersten Blick.
Oder sagen wir: Es war Liebe. Ich hab nur noch kurz so getan, als mĂŒsste ich darĂŒber nachdenken.
Und dann der Moment der Wahrheit: aufsteigen.
Ich schwing mich drauf, rolle ein paar Meter â und es fĂŒhlt sich sofort richtig an. Kein Suchen, kein Nachjustieren, einfach fahren.
Und offenbar nicht nur fĂŒr mich.
Selbst Papa Neubauer hat kurz geschaut, ein leichtes Grinsen aufgesetzt und gemeint, dass das schon ziemlich gut passt.
Und wenn jemand, der den ganzen Tag RĂ€der sieht, kurz innehĂ€lt, dann weiĂt du: Das ist kein Zufall mehr.
Scotty, es ist nicht das, wonach es aussieht
Mein Gravelbike hat nichts falsch gemacht. Wirklich nicht.
Scotty ist zuverlĂ€ssig, vielseitig, immer bereit fĂŒr alles â von Schotterwegen bis âIch schau mal, wo ich da rauskommeâ.
Aber ein Rennrad ist⊠anders.
Es ist dieses klare Versprechen von Geschwindigkeit. Von StraĂe. Von âheute gehtâs einfach nur ums Fahrenâ. Kein Abbiegen in den Wald, kein âach schauen wir malâ. Sondern einfach nur treten und schauen, was geht.
Und genau dieses GefĂŒhl hat mir gefehlt.
Dieses CelesteâŠ
Ich weiĂ nicht, was diese Farbe macht.
Celeste ist nicht einfach schön â es zieht dich rein.
Du schaust das Rad an und plötzlich hast du PlÀne.
Strecken. Zeiten. Ideen, die du vorher eigentlich gar nicht hattest.
Es ist dieses leise âKomm, probierâs einfachâ.
Der Plan war sofort da
Noch im Shop, noch bevor irgendwas unterschrieben war, war klar, wie das weitergeht.
Samstag abholen.
Sonntag wahrscheinlich viel zu oft anschauen.
Und am Montag eine Runde um den Wörthersee.
Weil so ein Rad will nicht langsam beginnen. Es will raus. Es will Strecke sehen. Und ich offenbar auch.
Zwischen Vorfreude und leichtem GröĂenwahn
Ich kenne mich gut genug, um zu wissen, wie das im Kopf ablÀuft.
Da ist sofort dieses Bild von einer perfekten Ausfahrt. Ruhiger Tritt, gleichmĂ€Ăiger Rhythmus, alles fĂŒhlt sich leicht an.
Und dann gibt es die RealitĂ€t, die wahrscheinlich irgendwo zwischen âgeht ehâ und âwarum genau tu ich mir das anâ liegt.
Aber genau das ist der Punkt.
Dieses leichte Kribbeln vor der ersten richtigen Runde. Dieses Wissen, dass es vielleicht ein bisschen zu viel ist â und genau deshalb richtig.
Und jetzt?
Jetzt steht es noch dort.
Noch nicht bei mir. Noch nicht gefahren.
Aber irgendwie gehört es schon dazu.
Scotty bekommt Gesellschaft.
Ich bekomme ein Dienstfahrrad.
Und der Wörthersee bekommt am Montag Besuch von jemandem, der wahrscheinlich ein bisschen zu motiviert startet.
Wenn du mich dort siehst: leicht fertig, aber mit einem Grinsen im Gesicht â dann passt alles genau so, wie es soll.
Es war kein Zufall.
Ich bin genau deswegen hingegangen.
Und genau so bin ich auch wieder rausgegangen.