Es gibt aktuell die Möglichkeit, dass wir dann doch wieder in die Staaten fliegen. Ob das passiert, oder ob es doch nicht passiert, weiß – wenig überraschend – niemand so genau.
Nachdem mein letzter Flug am Freitag um 15 Uhr gecancelled wurde und ich am Sonntag hätte fliegen sollen.
Was sich aber langsam herauskristallisiert: Die Erwartung, dass wir schon auftauchen und das Ganze irgendwie geradeziehen, um jemandem den Arsch zu retten.
Weil es sonst… schwierig wird.
Man kann das natürlich freundlich formulieren. Man kann von Abstimmungsproblemen sprechen. Von unterschiedlichen Arbeitsweisen. Von „komplexen Strukturen“.
Oder man sagt einfach: Es funktioniert dort hinten und vorne nicht so, wie es sollte.
Und das ist mittlerweile kein Einzelfall mehr. Das ist System.
Kommunikation kommt verspätet, unvollständig oder in Varianten, die sich gegenseitig ausschließen. Entscheidungen wirken wie spontane Eingebungen – mit entsprechend kurzer Halbwertszeit. Und irgendwo dazwischen sitzt ein Team, das offenbar darauf baut, dass wir das schon richten werden.
Ein durchaus ambitionierter Plan.
Denn ja, wir könnten hinfliegen. Wir könnten uns reinsetzen, sortieren, aufräumen und am Ende dafür sorgen, dass es läuft.
Die Frage ist nur: Warum?
Es sind genug Leute vor Ort. Wirklich genug. Und rein theoretisch sind genau diese Leute dafür da, die Situation im Griff zu haben.
Rein theoretisch.
In der Praxis fühlt es sich eher so an, als würde man sich bequem zurücklehnen und darauf warten, dass Unterstützung aus Europa einfliegt. So eine Art organisatorischer Lieferservice, nur mit mehr Jetlag.
Und genau da kippt die Stimmung.
Nicht laut. Nicht emotional. Sondern sehr nüchtern.
„Sollen sie es doch einfach selbst machen.“
Ein Satz, der vor ein paar Wochen noch undenkbar gewesen wäre, liegt jetzt ziemlich stabil im Raum. Und je länger man darüber nachdenkt, desto weniger absurd klingt er.
Vielleicht fliegen wir also. Vielleicht auch nicht.
Aber wenn wir ehrlich sind, hat sich die Perspektive verschoben: Nicht mehr ob wir helfen können, sondern ob wir es überhaupt noch sollten.
Und das ist eine deutlich unangenehmere Frage.