Die letzten Tage habe ich wieder einmal das getan, was vermutlich jeder Entwickler irgendwann macht, wenn er eigentlich nur „eine kleine Änderung“ an seiner Webseite machen wollte: Ich habe bikegraz.at komplett umgebaut.
Was als kleine Optimierung begonnen hat, ist am Ende zu einer Mischung aus Redesign, neuen Ideen und ein paar experimentellen Funktionen geworden. Und eine davon wird morgen zum ersten Mal in freier Wildbahn getestet.
Der Plan: Eine Selbstfahrer-Sightseeingtour für Radfahrer in Graz.
Die Idee: Graz hören statt nur sehen
Graz hat unglaublich viele spannende Orte – Plätze, Gebäude, Geschichten, kleine Details, an denen man normalerweise einfach vorbeiradelt.
Meine Idee ist deshalb eine Tour, bei der man einfach losradelt und an bestimmten Punkten automatisch Informationen bekommt.
Das funktioniert so:
- Du startest die Tour auf deinem Handy.
- Du fährst mit dem Rad durch Graz.
- Sobald du einen bestimmten Punkt erreichst, wird eine kurze Audio-Info abgespielt.
Quasi wie ein Audioguide im Museum – nur dass das Museum die ganze Stadt ist und du dich mit dem Fahrrad von Station zu Station bewegst.
Die erste Testtour führt durch einige klassische Punkte der Grazer Innenstadt – Plätze, versteckte Gassen und Orte, die man vielleicht schon hundert Mal gesehen hat, ohne ihre Geschichte zu kennen.
Und weil das Ganze ja auf bikegraz.at passiert, versteht sich von selbst:
Die Route ist natürlich radfreundlich gedacht.
Warum überhaupt so eine Tour?
Ganz ehrlich: Weil ich selbst gerne solche Sachen nutze.
Wenn ich in einer neuen Stadt bin, finde ich Audioguides super – aber sie haben zwei Nachteile:
- Man läuft meistens zu Fuß
- Sie sind oft ziemlich trocken
Mit dem Rad ist man schneller unterwegs, sieht mehr und kommt auch zu Orten, die zu Fuß etwas weit weg wären.
Außerdem kann man das Ganze viel lockerer gestalten:
Keine festen Zeiten, keine Gruppe, kein Guide mit Fähnchen.
Nur du, dein Rad und ein bisschen Geschichte im Ohr.
Und man könnte ja Geld damit verdienen.
Morgen ist Feldtest
Morgen wird diese Tour zum ersten Mal wirklich ausprobiert.
Das bedeutet auch:
Ich werde höchstwahrscheinlich Dinge entdecken, die ich beim Programmieren nicht bedacht habe.
Zum Beispiel folgende mögliche Szenarien:
Szenario 1: Internationale Expansion
Eigentlich wollte ich eine gemütliche Runde durch Graz fahren.
Realität:
Irgendwann meldet sich die Stimme im Handy:
„Du hast den nächsten Punkt erreicht.“
Ich schaue auf die Karte und denke mir:
Moment … das ist doch Maribor?
Gratulation.
Die erste Version der Tour hat mich erfolgreich bis zur slowenischen Grenze navigiert.
Ups.
Szenario 2: Straßenbahnschienen – der Endgegner
Es könnte auch passieren, dass ich so konzentriert der Audio-Erklärung über irgendeinen historischen Platz lausche, dass ich kurz vergesse, wo ich fahre.
Graz hat nämlich eine Spezialität:
Straßenbahnschienen.
Und jeder Radfahrer weiß:
Die Kombination aus
- schmalem Reifen
- falschem Winkel
- minimaler Unaufmerksamkeit
führt ungefähr so zuverlässig zum Problem wie ein Windows-Update kurz vor einer Präsentation.
Sollte also morgen jemand beobachten, wie ein Radfahrer neben seinem Bike sitzt und seinem Handy sagt:
„Ja danke für die Info zum Glockenspiel, aber das Timing war gerade nicht ideal.“
… dann war ich das.
Wenn es funktioniert …
Wenn der Test morgen halbwegs funktioniert, könnte daraus etwas ziemlich Cooles werden:
- Mehr Touren durch Graz
- Thematische Routen (Geschichte, Architektur, Radwege)
- Vielleicht sogar Touren außerhalb der Stadt
Im Idealfall entsteht daraus eine kleine Sammlung von Rad-Audiotouren, die jeder einfach starten kann.
Ein bisschen wie ein selbstgeführter Stadtführer – nur auf zwei Rädern.
Fazit
Morgen steht also ein wichtiger Test an:
- Funktioniert die Technik?
- Stimmen die Positionen der Stops?
- Und vor allem:
Schaffe ich die Tour, ohne in Slowenien oder in einer Straßenbahnschiene zu landen?
Wir werden es sehen.
Falls du morgen zufällig einen Radfahrer durch Graz fahren siehst, der immer wieder stehen bleibt und seinem Handy zuhört – keine Sorge.
Ich rede nicht mit mir selbst.
Ich teste nur die Zukunft der Rad-Sightseeing-Touren. 🚴♂️