Es gibt Dinge, über die denkt man nicht nach. Bis man plötzlich darüber nachdenken muss.
Heute habe ich eine Playlist für eine Verabschiedung zusammengestellt. Nicht für ein trauriges Begräbnis. Sondern für einen Abschied von einem Menschen, der mit 52 Jahren viel zu früh gehen musste. Ob ich sie brauch oder nicht, dass tut nichts zur Sache. Aber es hat mir dabei eines klar gemacht.
Warum spielen wir bei Verabschiedungen fast ausschließlich traurige Musik?
Natürlich gehört Trauer dazu. Aber sie ist doch nur ein Teil der Geschichte. Der andere Teil besteht aus Erinnerungen, gemeinsamen Momenten, Freundschaften, Reisen, Blödsinn und ganz vielen Gründen, warum dieser Mensch unser Leben schöner gemacht hat.
Genau das sollte eine Playlist erzählen.
Sie beginnt bewusst ruhig. Mit Musik, die Zeit gibt, anzukommen. Nachzudenken. Durchzuatmen.
Dann kommt Hubert von Goisern – Heast as nit. Für mich eines dieser Lieder, die man nicht erklären muss. Es schafft einfach eine Stimmung. Ruhig. Ehrlich. Österreichisch.
Danach folgen Songs über Freundschaft, Hoffnung und das Leben selbst.
You've Got a Friend erinnert daran, dass echte Freundschaften nicht mit einem Abschied enden.
Give a Little Bit Ein freundlicher Appell, Liebe und Menschlichkeit weiterzugeben - auch über diesen Tag hinaus.
With a Little Help from My Friends Niemand muss alleine trauern. Freunde tragen uns durch schwere Zeiten.
Here Comes the Sun sagt, dass nach dunklen Tagen irgendwann wieder Licht kommt.
What a Wonderful World ist keine Verklärung. Es ist eine Erinnerung daran, wie schön das Leben trotz allem sein kann.
Mr. Blue Sky Ein Lichtblick. Nach Regen kommen wieder sonnige Tage. Das Leben geht weiter, auch wenn es sich im Moment nicht so anfühlt.
Vienna Eine Erinnerung daran, dass das Leben kein Wettlauf ist. Man muss nicht alles sofort schaffen - das Leben wartet auf uns.
Africa Nicht wegen des Textes, sondern wegen des Gefühls. Und wir wissen alle was "Reisen" wirklich bedeutet: Abenteuer, unbeschwerte Momente ...
Beautiful Day von U2 hat mich selbst überrascht. Der Titel klingt zunächst unpassend. Doch eigentlich erzählt das Lied genau davon, trotz Verlust die Schönheit des Lebens nicht aus den Augen zu verlieren.
Marjorie Taylor hat es für Ihre Großmutter geschrieben und es geht darum, dass geliebte Menschen in uns weiterleben und ihre Ratschläge und Erinnerungen bleiben.
Und dann gibt es da noch Always Look on the Bright Side of Life.
Ja. Von den Monty Pythons.
Vielleicht lachen manche jetzt. Genau deshalb gehört das Lied in die Playlist.
Wenn jemand Humor hatte, warum sollte dieser Humor genau an seinem letzten gemeinsamen Tag verschwinden? Ein Lächeln nimmt der Trauer nichts weg. Es erinnert daran, wer dieser Mensch war.
Zum Schluss wird es wieder leiser.
In My Life von den Beatles ist für mich eines der schönsten Lieder über Erinnerungen. Es blickt zurück, ohne stehen zu bleiben.
Und ganz am Ende:
Starman von David Bowie.
Ausgewählt von Christina.
Kein klassischer Abschiedssong.
Aber vielleicht gerade deshalb der perfekte Schluss. Nicht mit Dunkelheit. Nicht mit einem endgültigen Ende. Sondern mit einem Blick nach oben und dem Gedanken, dass manche Menschen einfach ein bisschen heller geleuchtet haben als andere.
Vielleicht ist genau das die Aufgabe von Musik bei einer Verabschiedung.
Nicht nur beim Weinen zu helfen.
Sondern auch dabei, sich an das Leben zu erinnern.