Heute stand die letzte Etappe der Reise auf dem Programm.
Nicht auf dem Fahrrad.
Sondern mit der Bahn.
Um 12 Uhr aus dem Hotel ausgecheckt, gemĂŒtlich zum Bahnhof in Triest spaziert, da mein Railjet ohnehin schon eineinhalb Stunden spĂ€ter eintreffen sollte.
Also hingesetzt.
Gewartet.
Leute beobachtet.
Und dann fuhr hinter mir so ein rotes Ding in den Bahnhof ein.
Ein Frecciarossa - zumindest war es so zu lesen.
Ich möchte niemandem zu nahe treten, aber meine erste Reaktion war:
"Boah, sind diese ZĂŒge hĂ€sslich."
Vermutlich fahren sie 300 km/h.
Vermutlich technisch beeindruckend.
Vermutlich von Ingenieuren entwickelt.
Aber schön?
Nein.
Die Sache mit der Geschwindigkeit
Ăberhaupt frage ich mich inzwischen, warum die Italiener ĂŒberhaupt HochgeschwindigkeitszĂŒge brauchen.
Mein Railjet war nĂ€mlich pĂŒnktlich in Triest angekommen.
Zwischen Triest und Udine bewegte er sich allerdings ungefĂ€hr mit der Geschwindigkeit eines rĂŒckwĂ€rts einparkenden Spielzeugtraktors.
Manchmal hatte ich das GefĂŒhl, dass ambitionierte Rennradfahrer neben dem Zug problemlos hĂ€tten mithalten können.
Vielleicht sogar ĂŒberholen.
Vielleicht sogar winken.
Deutsche Bahn rettet den Tag
Die RĂŒckfahrt verlief ansonsten erstaunlich problemlos.
Bis Villach.
Dort standen wir plötzlich herum und warteten auf einen Anschlusszug aus Salzburg.
Der Grund dafĂŒr war besonders schön:
Anscheinend waren irgendwo zwei ICE-ZĂŒge Richtung Ăsterreich ausgefallen und das Umsteigen der vielen FahrgĂ€ste hat ein wenig lĂ€nger gedauert.
Und so schaffte es die Deutsche Bahn, eine VerspĂ€tung in Ăsterreich zu verursachen, obwohl ich mich mehrere hundert Kilometer von Deutschland entfernt befand.
Das muss man auch erst einmal schaffen.
Am Ende kam ich mit exakt drei Minuten VerspÀtung in Graz an.
FĂŒr BahnverhĂ€ltnisse ist das ungefĂ€hr so pĂŒnktlich wie ein Schweizer Uhrwerk - oder die Ăsterreichische Bundesbahn.
Fazit
- Triest erfolgreich verlassen
- Frecciarossa erfolgreich als hÀsslich eingestuft
- Spielzeugtraktor-Geschwindigkeit erlebt
- Deutsche Bahn als Ursache einer österreichischen VerspÀtung kennengelernt
- Mit nur drei Minuten VerspÀtung in Graz angekommen
Und jetzt?
Pause.
Zumindest bis morgen.
Denn morgen sitze ich schon wieder im Zug.
Diesmal allerdings nicht Richtung Meer.
Sondern Richtung Friesach zum Edmund-Konzert.
Offenbar hÀlt meine Erholung ungefÀhr so lange wie ein Handy-Akku aus dem Jahr 2012.
Nachtrag:
Weil ich gerade wieder einen Zeitungsartikel ĂŒber Zugchaos, VerspĂ€tungen und ĂŒberfĂŒllte Garnituren gelesen habe: Meine RĂŒckreise verlief eigentlich ĂŒberraschend entspannt.
Der Railjet war in Triest pĂŒnktlich. Bis Villach gab es ausreichend freie PlĂ€tze und selbst danach war der Zug weit davon entfernt, ĂŒberfĂŒllt zu sein.
Nach all den Berichten ĂŒber ĂŒberfĂŒllte ZĂŒge, verpasste AnschlĂŒsse und stundenlange VerspĂ€tungen möchte ich der Fairness halber auch erwĂ€hnen:
Bei mir hat auf dieser Reise alles funktioniert.
Fahrrad mitgenommen.
Sitzplatz gehabt.
Zu Hause angekommen.
Man schimpft oft genug auf die Bahn. Dann darf man auch einmal erwÀhnen, wenn etwas problemlos funktioniert. Ist ja nicht alles schlecht, wenn man mit dem Zug fÀhrt.