Manche Menschen bekommen auf ihrer Überwachungskamera Einbrecher, Paketboten oder den Nachbarn, der wieder einmal falsch einparkt.
Ich bekomme eine Schlange.
Neulich ploppte auf meinem Handy eine Bewegungsmeldung auf. Nichts Ungewöhnliches. Wahrscheinlich wieder eine Katze, ein Vogel oder ein besonders motiviertes Blatt im Wind.
Also Video geöffnet.
Und da war sie.
Lang. Schlängelnd. Zielstrebig.
Mein erster Gedanke war ungefähr: "Na super. Das war's. Das Gartenhaus meiner Mama gehört jetzt offiziell der Schlange."
Während mein Gehirn bereits hektisch zwischen Kreuzotter, Kobra und Anaconda hin- und hersprang, zeigte sich die Schlange völlig unbeeindruckt. Sie kletterte gemütlich an einer Holzkonstruktion entlang, als würde sie seit Jahren dort wohnen und ich wäre der ungebetene Gast.
Die große Identifizierungsaktion
Da das Video von einer Überwachungskamera stammt, war die Qualität ungefähr auf dem Niveau einer Kartoffel aus dem Jahr 2007.
Der Kopf? Nicht sichtbar.
Die Musterung? Vielleicht.
Die Details? Nein.
Trotzdem wurde analysiert, diskutiert und spekuliert.
Das Ergebnis: Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um eine Äskulapnatter oder eine Ringelnatter. Beides vollkommen harmlose heimische Schlangen.
Mit anderen Worten:
Während ich innerlich bereits meinen letzten Willen formulierte, war vermutlich einfach nur eine österreichische Schlange auf einem kleinen Spaziergang unterwegs.
Die Kamera war keine Hilfe
Falls jemand jemals eine Schlange bestimmen möchte, hier ein kleiner Tipp:
Verwendet keine Überwachungskamera.
Man erkennt nämlich genau genug, um sich zu erschrecken, aber nicht genug, um zu wissen, wovor man sich eigentlich erschreckt.
Die Aufnahme beantwortet exakt eine Frage:
Da war etwas.
Alle weiteren Fragen bleiben offen.
Die gute Nachricht
Sollte es tatsächlich eine Äskulapnatter gewesen sein, dann war der Besuch sogar ein kleines Kompliment der Natur.
Die Tiere sind ungiftig, fressen Mäuse und gelten als hervorragende Kletterer. Eigentlich genau die Art von Nachbar, die man lieber hat als jemanden, der sonntags um sieben Uhr den Rasen mäht.
Mein Fazit
Die Schlange lebt vermutlich weiterhin ihr bestes Leben irgendwo in Graz.
Ich hingegen kontrolliere seitdem jedes Stück Gartenschlauchmaterial mit deutlich mehr Respekt als früher.
Falls die geheimnisvolle Besucherin noch einmal vorbeischaut, werde ich versuchen, ein besseres Foto zu machen.
Wobei ich ganz ehrlich bin:
Aus sicherer Entfernung.
Sehr sicherer Entfernung.
Vielleicht aus einem anderen Bezirk. 🐍😅