Heute ist so ein Tag.
Heute habe ich erfahren, dass einer meiner Freunde gestorben ist. Herzinfarkt.
Ich habe den Satz jetzt schon mehrmals geschrieben und wieder gelöscht. Er klingt jedes Mal falsch. Nicht, weil er grammatikalisch nicht passt. Sondern weil er nicht in meinen Kopf will.
Das sind doch die Geschichten, die man über andere hört. Irgendwann. Viel später. Aber nicht jetzt. Nicht über jemanden, mit dem man praktisch das ganze Leben verbracht hat.
Wir kennen uns seit unserer Jugend. Seit der Pfarre. Seit einer Zeit, in der das größte Problem war, ob wir mit dem Taschengeld auskommen oder wie wir nach einer langen Nacht wieder nach Hause kommen und hoffentlich die RibiMi, die wir beim Hinweg versteckt haben auf dem Weg zurück wieder finden.
Wir waren gemeinsam auf Urlaub. Haben Geburtstage gefeiert. Hochzeiten. Silvester. Wir haben Erinnerungen gesammelt, über die wir gerade noch lachen konnten.
Und dann gibt es da diese eine Geschichte, die wahrscheinlich niemand sonst lustig findet. Wir waren mit dem Auto unterwegs und hatten noch 23 Kilometer Restreichweite. Natürlich waren wir überzeugt, dass gleich eine Tankstelle kommt. Natürlich kam keine. Also sind wir Kilometer für Kilometer weitergefahren und wurden mit jedem Blick auf die Anzeige ein bisschen stiller. Irgendwann haben wir sogar darüber diskutiert, ob die Kilometer eh nur eine Empfehlung sind.
Irgendwie haben wir es geschafft.
Damals war das unser größtes Problem.
Heute wünsche ich mir genau dieses Problem zurück.
Ich weiß gerade nicht, wie es mir geht. Traurig? Geschockt? Fassungslos?
Wahrscheinlich von allem etwas.
Und gleichzeitig denke ich gar nicht so sehr an mich.
Ich denke an seine Frau.
An seine beiden Kinder.
Wie hilft man jemandem, dessen Welt gerade zusammengebrochen ist? Was sagt man? Was macht man? Reicht es, einfach da zu sein? Oder ist selbst das viel zu wenig?
Ich weiß es nicht.
Vielleicht gibt es auf manche Fragen einfach keine Antwort.
Heute ist einer dieser Tage, an denen einem bewusst wird, dass das Leben keine Garantie mitliefert. Dass Pläne, Termine und Projekte plötzlich ganz unwichtig werden.
Ich habe in den letzten Wochen viel über Firmengründung, BikeGraz und neue Ideen geschrieben.
Heute interessiert mich das alles nicht.
Heute denke ich einfach an einen Freund.
Und daran, wie dankbar ich bin, dass wir so viele gemeinsame Erinnerungen hatten.
Mach's gut, mein Freund.
Du wirst fehlen.