Heute war eigentlich alles perfekt.
Die Beine waren gut.
Der Kopf war gut.
Das Fahrrad war gut.
Sogar die Luft in den Reifen war gut.
Kurz gesagt: Alles war bereit für eine lange Etappe.
Es gab nur ein Problem.
Meine Hotelreservierung.
Zwischen Cividale und Gradisca liegen gerade einmal rund 33 Kilometer. Eine Strecke, die man in ungefähr eineinhalb Stunden fahren kann, wenn man ein bisschen Druck aufs Pedal bringt.
Blöd nur, wenn man bereits weiß, dass das Hotel einen vorher ohnehin nicht hineinlässt.
Also blieb mir nichts anderes übrig, als den Tag künstlich in die Länge zu ziehen.
Wer schon einmal versucht hat, bewusst langsam Rad zu fahren, weiß, wie schwierig das eigentlich ist.
Normalerweise freut man sich, wenn man schnell vorankommt.
Heute musste ich aktiv darauf achten, nicht zu schnell anzukommen.
Eine völlig neue Erfahrung.
Die Kunst des professionellen Trödelns
Nachdem die Strecke erstaunlich flott abgespult war, begann der eigentliche Wettkampf des Tages:
Zeit totschlagen.
Ich saß herum.
Dann saß ich noch ein bisschen herum.
Dann wechselte ich den Ort und saß dort weiter herum.
Zwischendurch habe ich vermutlich mehr Fiats gesehen als die gesamte Marketingabteilung von Fiat in einem durchschnittlichen Arbeitstag.
Man entwickelt dabei erstaunliche Fähigkeiten.
Nach einer Stunde kann man verschiedene Panda-Generationen unterscheiden.
Nach zwei Stunden beginnt man, ihnen Namen zu geben.
Zum Glück war irgendwann doch genug Zeit vergangen und das Hotelzimmer bezugsfertig.
Der Blick Richtung Triest
Das war heute bereits der vorletzte Tag dieser Tour.
Irgendwie erstaunlich.
Vor ein paar Tagen stand ich noch in Toblach und habe mich über Fahrradplätze im Railjet aufgeregt.
Dazwischen lagen Schotterwege, Steigungen, Abfahrten, ein GoPro-Defekt, eine Reparatur mit Nagelknipser und mehrere Gelegenheiten, meine Routenplanung zu hinterfragen.
Und jetzt fehlt nur noch eine Etappe.
Morgen geht es tatsächlich auf die Küstenstraße Richtung Triest.
Der Moment, auf den ich mich seit Beginn der Tour gefreut habe.
Falls also morgen alles klappt, rolle ich endlich ans Meer.
Und falls nicht, gibt es übermorgen wieder einen Blogeintrag darüber, warum das Meer überschätzt wird.
Fazit des Tages
- Beine bereit für eine lange Etappe
- Hotelreservierung anderer Meinung
- Erfolgreich Zeit vertrödelt
- Unzählige Fiats beobachtet
- Vorletzten Tourtag überstanden
Morgen wartet Triest.
Wünscht mir Glück.
Und Rückenwind.
Vor allem Rückenwind.