Heute war einer dieser Tage, an denen man lernt, dass das Universum ein sehr ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden besitzt.
Kaum hatte ich eine Steigung geschafft, wurde ich mit einer wunderbaren Abfahrt belohnt.
Und kaum hatte ich diese Abfahrt genossen, wartete bereits die nächste Steigung.
Und danach die nächste.
Und die nächste.
Im Prinzip bestand der heutige Tag aus einem einfachen Kreislauf:
Bergauf. Bergab. Bergauf. Bergab.
Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass die Streckenplaner irgendwo in Slowenien und Italien zusammengesessen sind und beschlossen haben:
"Lasst uns schauen, wie oft wir denselben Radfahrer an einem Tag bergauf schicken können."
Ein historischer Moment
Heute musste ich zum ersten Mal auf dieser Tour in einer Steigung absteigen.
Ja, richtig gelesen.
Absteigen.
Nicht weil das Rad kaputt war.
Nicht weil ich mich verfahren hätte.
Sondern weil die Kombination aus Steigung, Untergrund und meiner aktuellen Begeisterung für weitere Höhenmeter irgendwann nicht mehr zusammengepasst hat.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass Schieben in diesem Moment die schnellere und vor allem würdevollere und sicherste Variante war.
Man muss seine Kämpfe schließlich klug wählen.
Grüße an den Radwegplaner von Cividale
Besondere Erwähnung verdient der Radweg auf den letzten Kilometern vor Cividale.
Falls der Verantwortliche das jemals lesen sollte:
Versteck dich.
Einfach verstecken.
Nicht vor mir persönlich.
Sondern vor allen Menschen, die schon einmal mit einem Fahrrad darüber gefahren sind.
Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, lose Schotterpassagen in Steigungen und Abfahrten einzubauen, hat offensichtlich noch nie selbst versucht, dort mit einem Fahrrad unterwegs zu sein.
In den Steigungen gräbt sich das Hinterrad ein.
In den Abfahrten sucht sich das Vorderrad seinen eigenen Weg.
Und der Fahrer fragt sich die ganze Zeit, ob das noch ein Radweg oder bereits ein geologisches Experiment ist.
Selten habe ich einen Untergrund erlebt, der bergauf und bergab gleichzeitig gleich schlecht funktioniert.
Eine bemerkenswerte Leistung.
Fazit des Tages
- Viele Höhenmeter gesammelt
- Viele Höhenmeter wieder verloren
- Viele Höhenmeter danach erneut gesammelt
- Zum ersten Mal abgestiegen
- Cividale erreicht
- Neue Definition von „Radweg“ kennengelernt
Morgen geht es weiter Richtung Triest - bis nach Gradisca del Isonzo, dem vorletzten Stopp auf der Tour.
Und falls dort wieder Schotter in einer Steigung auftaucht, werde ich einfach behaupten, dass Schieben ein bewusst eingebauter Teil meines Trainingsplans ist.