Heute war es endlich so weit: Start meiner Radtour von den Dolomiten bis nach Triest.
Und gleich vorweg: Ja, es ging heute bergab.
Bevor jetzt wieder die ĂŒblichen VerdĂ€chtigen erklĂ€ren, dass bergab fahren kein richtiger Sport sei: Man muss auch erst einmal einen Berg finden, von dem man 70 Kilometer lang hinunterfahren kann. Das habe ich geschafft.
Gestartet bin ich in Toblach auf rund 1.220 Metern Seehöhe. Angekommen bin ich in Oberdrauburg auf etwa 634 Metern. Das bedeutet: Fast 600 Höhenmeter vernichtet. Aktiv. Mit eigener Muskelkraft. Mehr oder weniger.
Die ersten rund 45 Kilometer bis Lienz waren ein Traum. Die Strecke fĂ€llt ganz leicht ab, man tritt gemĂŒtlich vor sich hin und hat stĂ€ndig das GefĂŒhl, heute auĂergewöhnlich fit zu sein. Der Schnitt passt, die Beine fĂŒhlen sich groĂartig an und man beginnt langsam zu glauben, man hĂ€tte den Winter doch nicht ausschlieĂlich mit Essen verbracht.
Der erste gröĂere Stopp fĂŒhrte mich zur Jausenstation bei der Galitzenklamm.
Dort wurde mir eine Frage gestellt, die mein weiteres Leben verÀndern könnte:
"Wie viele Kaspressknödel möchten Sie?"
Drei standen zur Auswahl.
Drei.
In einem kurzen Moment geistiger Umnachtung antwortete ich:
"Zwei."
Was dann serviert wurde, war weniger eine Suppe als vielmehr ein mittelgroĂes GewĂ€sser mit Kaspressknödeln als Inselgruppe.
Der Suppentopf war ein Suppentopf.
Keine SchĂŒssel. Kein Teller.
Ein Topf.
Mit zwei Kaspressknödeln.
Ich bin bis jetzt nicht sicher, ob ich eine Vorspeise oder die komplette Tagesproduktion der KĂŒche erhalten habe. Jedenfalls war ich danach ausreichend versorgt, um vermutlich bis Triest durchzufahren.
Nach Lienz zog sich die Strecke dann etwas.
Rechts die Schiene.
Links die Drau.
Und dazwischen ich.
Kilometer um Kilometer.
Rechts die Schiene.
Links die Drau.
Und dazwischen weiterhin ich.
Versteht mich nicht falsch: Die Drau ist wunderschön. Wirklich. Aber irgendwann beginnt man, mit ihr GesprĂ€che zu fĂŒhren. Sie antwortet zwar nie, ist aber dennoch die kommunikativste Flussbegleitung, die ich heute hatte.
Trotzdem war es ein schöner erster Tag. Rund 70 Kilometer standen am Ende auf dem Tacho, dazu etwa 187 Höhenmeter bergauf und 776 Höhenmeter bergab. Ein VerhÀltnis, mit dem ich sehr gut leben kann.
Oberdrauburg war damit zwar das offizielle Etappenziel auf dem Rad, ganz vorbei war der Tag aber noch nicht.
Denn anschlieĂend durfte ich noch den Shuttle ĂŒber den Gailbergsattel nach Kötschach-Mauthen ausprobieren. Auch das war ein Erlebnis.
Normalerweise verbringe ich auf Radtouren den GroĂteil des Tages auf dem Sattel meines Fahrrads. Heute saĂ ich zur Abwechslung mit meinem Fahrrad in einem Bus. Man muss ja offen fĂŒr neue Erfahrungen bleiben.
Immerhin hatte die Fahrt einen Vorteil: Ich habe bereits einige andere Radreisende kennengelernt. Eine nette Gruppe, die ebenfalls Richtung SĂŒden unterwegs ist. Die Chancen stehen gut, dass wir uns in den nĂ€chsten Tagen immer wieder begegnen werden.
Auf solchen Touren ist das irgendwie normal. Morgens ĂŒberholt man jemanden, mittags sitzt man zufĂ€llig im selben Gasthaus und abends landet man wieder im gleichen Hotel. Man kennt zwar meist nicht einmal die Nachnamen, aber nach wenigen Tagen fĂŒhlt es sich trotzdem an, als wĂŒrde man gemeinsam unterwegs sein.
Jetzt bin ich jedenfalls in Kötschach-Mauthen angekommen, die Beine sind noch erstaunlich frisch und die Vorfreude auf die nÀchsten Etappen wÀchst.
Morgen geht es weiter Richtung Feistritz im Gailtal.
Und wenn alles gut lÀuft, werde ich dort wieder eine Kaspressknödelsuppe bestellen. Diesmal mit einem Knödel.
Man lernt ja dazu.
Oder auch nicht.