Heute ist es endlich losgegangen.
Die große Radtour von den Dolomiten bis nach Triest startet offiziell morgen. Heute stand erst einmal die Anreise nach Toblach in Südtirol auf dem Programm.
Die gute Nachricht: Ich bin angekommen.
Die schlechte Nachricht: Davor musste ich mit meinem Fahrrad einen ÖBB Railjet betreten.
Wer schon einmal versucht hat, mit einem voll beladenen Fahrrad in einen Railjet einzusteigen, kennt das Problem vermutlich. Die Kombination aus schmalen Türen, engen Gängen, anderen Reisenden, Gepäckstücken und einem Fahrrad, das plötzlich gefühlt die Größe eines Kleinwagens hat, sorgt für ein Erlebnis, das man nur schwer als entspannenden Urlaubsbeginn bezeichnen kann.
Dazu kommt die überschaubare Anzahl von gerade einmal fünf Fahrradplätzen.
Fünf.
Für einen Zug, der halb Österreich durchquert.
Falls man also jemals wissen möchte, wie sich ein Ticket für ein exklusives VIP-Event anfühlt: Einfach versuchen, einen Fahrradplatz im Railjet zu reservieren.
Besonders interessant war heute ein Mitreisender mit seinem Cube-Rennrad.
Der Mann hatte nicht nur einen Fahrradplatz reserviert.
Nein.
Er hatte gleich zwei reserviert.
Offenbar wollte er sicherstellen, dass sein Fahrrad genügend persönlichen Freiraum bekommt und nicht versehentlich mit gewöhnlichen Fahrrädern in Kontakt kommt.
Fairerweise muss ich sagen: Er war ausgesprochen freundlich und hat mir sogar geholfen, mein Rad aufzuhängen.
Ich dachte kurz: „Was für ein netter Mensch.“
Eine Minute später holte er allerdings einen Pullover hervor und legte ihn als Schutz zwischen sein Fahrrad und die Umgebung.
Da wurde mir klar:
Die Hilfe galt vermutlich weniger mir als vielmehr seinem Fahrrad.
Nicht auszudenken, was mein Rad seinem Cube hätte antun können.
Vielleicht ein Kratzer.
Vielleicht ein emotionales Trauma.
Vielleicht sogar beides.
Mein Vorschlag an die ÖBB wäre daher recht einfach:
Ein Fahrradplatz pro Person.
Denn während jemand heute zwei Plätze für ein einziges Fahrrad reserviert hatte, durfte möglicherweise jemand anderes sein Rad gar nicht erst mitnehmen.
Und das wäre eigentlich schade.
Trotzdem: Die Anreise ist geschafft.
Toblach begrüßt mich mit frischer Bergluft, beeindruckender Kulisse und der Vorfreude auf das, weshalb ich eigentlich hier bin.
Morgen geht es endlich los.
Rund 70 Kilometer warten auf mich, die erste Etappe Richtung Adria liegt vor mir und ich bin gespannt, was unterwegs alles passiert.
Wenn alles gut geht, gibt es morgen den ersten echten Reisebericht.
Und falls nicht, dann zumindest eine weitere Geschichte über Fahrräder, Züge und Menschen mit sehr empfindlichen Rennrädern.